Homöostatisches Ungleichgewicht in Hose und Gesellschaft
eine Albumkritik
von SSIO – BB.U.M.SS.N. („BoomBapisch, Ultraamnesisch Medolischanaboler StraßenScheiß, Nuttööö.“)
Es gehört zum guten Ton des spätkapitalistischen Neo-No-Future, Ironie nicht als prometheische Fackel, sondern als von außen hölzernes und innen mit transduktiv-progressivem Wirkwillen gefülltes Pferd vor den Toren Trojas aka deutsche Integrationsprozessualität und -institutionalität abzustellen. Es ist ein Doppelsalto im Stratagem des als hoffnungslos gestempelten Monsters Frankensteins ‚Mainstreamkultur‘. Hoffnung aber nestelt stets, auch in den schwarzen Haaren der „Marokks, die mit knetbaren Summi-Platten am Gummiplatz am Tag paar Hunnis machen“. Die Büchse der Pandora umkreist gleich einer blutenden, aber immer noch ans Leben glaubenden Gazelle von hungrigen Hyaenidae.
„Endlich Ruhe!“ könnte also der Sehnsuchtsseufzer lauten, der die bürgerlich-deutsche Rentenkassengesellschaft mit der sich ihr durch so subtiles wie effektives Ausgregrenzt-Werden entziehenden Pseudodrogendealerjugend migrantistischer Kleinstvorstädte verbinden würde. Und es braucht mehr als ein Quäntchen Chuzpe, den durch Kellog’s Pringles noch salzigen Finger in diese kafkaesk verzerrte Wunde des unendlichen Aufschubs – Anlass zur kontemplativen Resignation der Ungestalt des Welt-/Zeitgeistes – zu legen. Diese Disziplin in spielerischem Anstrich zum Antlitz einer Meisterschaft zu treiben, ist raison d’être dieses Albums, das auch hier den Jean-Claude van Dammeschen Epic Split eines Spagats zwischen biederem Akronymentum und neologistischem Feuerwerk eines Jargons schafft, welcher sowohl die Grenzen der Gesellschaft als auch die Grenzen ihrer Sprache in alle Richtungen – und vermutlich auch nach Signien von Metastasen in den Brüsten – abtastet. Nicht einmal der feuchteste von Otto von Bismarcks Träumen hätte es geschafft, Beamtendeutsch so sehr zu beugen bis es singt. „Nietzsche hat die Philosophie von hinten genommen und ihr ein Kind gemacht“, schrieb Gilles Deleuze in seine Unterhandlungen. SSIOs Nonchalance seiner virtuos verwaltenden Amtssprachengesangspraxis hingegen „bumst auch dickere Frauen“ wie die deutsche Sprache, und wenn das lyrische Ohr beim Vernehmen des makellosen Metrikmeraviglias „Fotzen mit Wampen die sich boxen wie Kanten“ jubilierend jauchzt, dann ist der Vers nicht Kind einer heiß brennenden Feder der Innerlichkeit, sondern es spricht hier – in sich zwar in heideggerscher Verstelltheit, doch nichtsdestotrotz Klarheit – reine Sprache zu sich selbst, full circle, wie Melville, Artaud und von Kleist es nicht schöner hätten bestürmen können.
„Nichts ist so billig zu haben wie Ironie“ lässt Diedrich Diederichsen in Sexbeat wissen, doch leuchtet dort, wo Beobachter der Klasse eines Maxim Billers – Stichwort Goulasch – konventionelles Sprach-Aldi vermuten, hyperreal und illusionslos zugleich die weder durch Hegel noch durch Sildenafil aufhebbare, erektile Dysfunktion der postmodernen Scheinerkenntnis von Enden ohne Ende der Integration auf: Es gäbe keine Ruhe. Es gäbe kein Ankommen. Unter dem als bleckende Forderung getarnten, bio-wollernen Versprechen walte das Gesetz des täglich grüßenden und erinnernden Murmeltieres. Wo der Kybernetiker als Ingenieur des Stillstands in Bewegung gilt, loopt das gebärdende Löwenzappeln der selbstpolitisierten Subkulturen wohlfeil ihre eigene Kannibalisierung, in Extase feiernd. Es wird klar: Phonologie ist der hinkende, signifikantenfixierte Krüppel der zeitgenössischen, FAZ-feuilletonistischen Noema-Fixiertheit, versinkend im spinnenfädigen Glauben an isisschleierne Eigentlichkeit, welcher hier mit Blick auf den hermeneutikversunkenen Priestertempel gründlich verarscht wird. BB.U.M.SS.N. Ahistorizität vorzuwerfen, zeugt von eben jenem. Denn unter Kassandras Imperativ des Unbewussten, dem in jedem – immer letzter sein wollendem – Atemzug spätkapitalistischer Wannabekreativjochproduktion ausgeseufzten „ârrete!“ entdecken geübte Augen fein ziselierte Linien, die sich im als ob des Triebes – Chapeau à Freud – Parasit setzen und haftbefehlsch neben das Kleinbürgertum wie Porsche neben Fiat platzieren. Während der Feuilleton also noch an die Grille glaubt, forever Villarriba auf die vermeintliche Villabajo-Analyse verzichten zu können, lacht sich Erika Fuchs in ihr totes Fäustchen. BB.U.M.SS.N. ist das die Psychogenese der nihilistischen Fratzen der kaputtdekonstruierten Bastarde des verendenden Stoßseufzers des Kapitalismus erkennende, verschleifende Goethes-Faustsche „Hier bin ich Mensch“ der stets melodisch-konkussiv platzenden Bonner Vorstadtblasen im deutschen Integrationsschaumbad; ist der im Anschein perpetuierend-oszillierende, effektiv negierende Sargnagelaustrieb einer verloren geglaubten doch sich stets naiv-utopisch wegentwerfenden, tauben Scherengesellschaft, aber lässig.
SSIO – BB.U.M.SS.N. („Boombapscher, ultraamnesisch medolisch-anaboler Straßenscheiß, Nuttööö.“)
Es gehört zum guten Ton des spätkapitalistischen Neo-No-Future, Ironie nicht als prometheische Fackel, sondern als von außen hölzernes und innen mit transduktiv-progressivem Wirkwillen gefülltes Pferd vor den Toren Trojas aka deutsche Integrationsprozessualität und -institutionalität abzustellen. Es ist ein Doppelsalto im Stratagem des als hoffnungslos gestempelten Monsters Frankensteins ‚Mainstreamkultur‘. Hoffnung aber nestelt stets, auch in den schwarzen Haaren der „Marokks, die mit knetbaren Summi-Platten am Gummiplatz am Tag paar Hunnis machen“. Die Büchse der Pandora umkreist gleich einer blutenden, aber immer noch ans Leben glaubenden Gazelle von hungrigen Hyaenidae.
„Endlich Ruhe!“ könnte also der Sehnsuchtsseufzer lauten, der die bürgerlich-deutsche Rentenkassengesellschaft mit der sich ihr durch so subtiles wie effektives Ausgregrenzt-Werden entziehenden Pseudodrogendealerjugend migrantistischer Kleinstvorstädte verbinden würde. Und es braucht mehr als ein Quäntchen Chuzpe, den durch Kellog’s Pringles noch salzigen Finger in diese kafkaesk verzerrte Wunde des unendlichen Aufschubs – Anlass zur kontemplativen Resignation der Ungestalt des Zeitgeistes – zu legen. Diese Disziplin in spielerischem Anstrich zum Antlitz einer Meisterschaft zu treiben, ist raison d’être dieses Albums, das auch hier den Jean-Claude van Dammeschen Epic Split eines Spagats zwischen biederem Akronymentum und neologistischem Feuerwerk eines Jargons schafft, welcher sowohl die Grenzen der Gesellschaft als auch die Grenzen ihrer Sprache in alle Richtungen – und vermutlich auch nach Anzeichen von Metastasen in den Brüsten – abtastet. Nicht einmal der feuchteste von Otto von Bismarcks Träumen hätte es geschafft, Beamtendeutsch so sehr zu beugen bis es singt. „Nietzsche hat die Philosophie von hinten genommen und ihr ein Kind gemacht“, schrieb Gilles Deleuze in seine Unterhandlungen. SSIOs nonchalante Verwaltungssprachengesangspraxis hingegen „bumst auch dickere Frauen“ wie die deutsche Sprache, und wenn das lyrische Ohr beim Vernehmen des makellosen Metrikmeraviglias „Fotzen mit Wampen die sich boxen wie Kanten“ jubilierend jauchzt, dann ist der Vers nicht Kind einer heiß brennenden Feder der Innerlichkeit, sondern es spricht hier – in sich zwar in heideggerscher Verstelltheit, doch nichtsdestotrotz in Klarheit – reine Sprache zu sich selbst, full circle, wie Melville, Artaud und von Kleist es nicht schöner hätten erstürmen können.
„Nichts ist so billig zu haben wie Ironie“ lässt Diedrich Diederichsen in Sexbeat wissen, doch leuchtet dort, wo Beobachter der Klasse eines Maxim Billers – Stichwort Goulasch – Sprach-Aldi vermuten, hyperreal und illusionslos zugleich die erektile Dysfunktion der postmodernen Scheinerkenntnis von Enden ohne Ende der Integration auf: Es gäbe keine Ruhe. Es gäbe kein Ankommen. Unter dem als bleckende Forderung getarnten, bio-wollernen Versprechen walte das Gesetz des täglich grüßenden und erinnernden Murmeltieres. Wo der Kybernetiker als Ingenieur des Stillstands in Bewegung gilt, loopt das gebärdende Löwenzappeln der selbstpolitisierten Subkulturen wohlfeil ihre eigene Kannibalisierung, in Extase feiernd. Es wird klar: Phonologie ist der hinkende, signifikantenfixierte Krüppel der zeitgenössischen, FAZ-feuilletonistischen Noema-Fixiertheit, versinkend im spinnenfädigen Glauben an isisschleierne Eigentlichkeit, welcher hier mit Blick auf den Priestertempel gründlich verarscht wird. BB.U.M.SS.N. Ahistorizität vorzuwerfen, zeugt von eben jenem. Denn unter dem Imperativ des Unbewussten, dem in jedem – immer letzter sein wollendem – Atemzug spätkapitalistischer Wannabekreativjochproduktion ausgeseufzten „ârrete!“ entdecken geübte Augen fein ziselierte Linien, die sich im als ob des Triebes – Chapeau à Freudt – Parasit setzen und haftbefehlsch neben das Kleinbürgertum wie Porsche neben Fiat nuanciert deposieren. Während der Feuilleton noch an die Grille glaubt, auf die vermeintliche Villa-Bacho-Analyse verzichten zu können, lacht sich Erika Fuchs in ihr totes Fäustchen. BB.U.M.SS.N. ist das die Psychogenese der nihilistischen Fratzen der kaputtdekonstruierten Bastarde des verendenden Stoßseufzers des Kapitalismus erkennende, verschleifende Goethes-Faustsche „Hier bin ich Mensch“ einer stets melodisch-konkussiv platzenden Bonner Vorstadtblase; ist der im Anschein perpetuierende, effektiv negierende Sargnagelaustrieb einer verloren geglaubt doch sich stets naiv-utopisch wegentwerfenden, tauben Scherengesellschaft, aber lässig.